Regionale Wirtschaftskreisläufe sind Zünglein an der Waage

WIR. Das Genossenschaftsblatt aus Mitteldeutschland (11/2009)

Die Meldungen in Sachen erfolgreiches Genossenschaftswesen häufen sich: Seit der Novellierung des deutschen Genossenschaftsgesetzes erhöht sich langsam, aber stetig die Zahl der Neugründungen von Genossenschaften. Zum Beispiel in zukunftsfähigen innovativen Branchen wie IT und Online-Handel als Kooperationen von jungen Existenzgründern. Neue Genossenschaften entstanden auch zur Nahversorgung der ländlichen Bevölkerung sowie zur Nutzung alternativer Energien als Bürgergenossenschaften wie auch – zum Vorteil der Patienten – als Ärztegenossenschaften, als genossenschaftlich organisierte Ärztehäuser, und das nicht nur, wie bisher, im Sinne einer Einkaufsgenossenschaft.


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Boni: Entfremdung statt Leistung und was nach der Wahl zu tun ist

von Dr. Axel Troost

Entfremdung statt Leistung
Kinder sollen Freude am Lernen haben und den Sinn des Gelernten erkennen können.  Belohungen – in der Grundschule sind es etwa Kronen, Smileys oder Spielstunden – sollten bestenfalls ein Hilfsmittel sein. Andernfalls tritt der Kern – in der Schule das zu erhaltende Erkenntnisinteresse – hinter die Eigendynamik des Belohnungssystems zurück. 


So geschehen in der Finanzwelt. Die Sache – gute Arbeit für Bank und Kundschaft zu leisten – kehrte sich um ins Gegenteil: Die Aussicht auf hohe Bonuszahlungen und interner Erfolgsdruck führten mit dazu, dass hochriskante Geschäfte getätigt wurden. Das betrifft nicht nur gutbezahlte Manager und Investmentbanker. Auch Sparkassen- Angestellte unterliegen beispielsweise einem vermehrten Verkaufsdruck von Rentenversicherungen, weil dort – abgesehen vom „Riestern“ – die Provisionen vergleichsweise hoch sind. Über besondere Risiken bestimmter Anlageformen wird oft erst auf Nachfrage eingegangen. Wenn überhaupt, denn auch die Schulung des Personals lässt oft zu wünschen übrig. Es soll schlicht verkauft werden, was die Unternehmensleitung für gut befindet.

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Wirtschaftsförderung als integrierter Ansatz

Die Politik der Leuchttürme darf als gescheitert angesehen werden. Insbesondere die unausgewogene Exportorientierung mit der Vernachlässigung der binnenwirtschaftlich orientierten Segmente der Volkswirtschaft hat sich jetzt in der Krise gerächt, oder wird sich rächen. Eine gezielte Wirtschaftsförderung für die Region des Wahlkreises und eine sinnvolle Wirtschaftsförderung und wirtschaftspolitische Weichenstellungen auf Landesebene gehören zusammen. Aus eigener Kraft wird die Region die verfehlte Politik der letzten zwei Jahrzehnte nicht ausbügeln können. Deshalb habe ich auch eine Entschädigung für die verpassten und verpatzten Jahre gefordert. Die A 72 ist beredtes Beispiel, wie diese Politik versagt hat. Die A72 wird mit Fertigstellung zehn Jahre zu spät kommen. Die Region ist von den wirtschaftlichen Zusammenhängen in Sachsen und im Bund nicht abgekoppelt. Deshalb brauchen wir also eine integrierte Wirtschaftspolitik, die die kleinen und kleinen mittelständischen Unternehmen und deren Vernetzung untereinander stärkt. Die Wirtschaftskrise werden wir nur überstehen, und gut überstehen, wenn wir die binnenwirtschaftlich orientierten Unternehmen stärken. Also das Handwerk zum Beispiel, das in der Region fertigt und für den sächsischen und bundesweiten Markt arbeitet. Die Eigenkapitalbasis der Unternehmen muss durch eine gezielte Landesförderung im Zusammenspiel mit der WILL GmbH verbessert werden. Der WILL GmbH kommt künftig eine wichtige Rolle zu. Sie muss die wirtschaftlichen Potenziale zum Beispiel in der Tourismuswirtschaft abschätzen, um sinnvolle Förderung zu organisieren. Dafür muss die WILL aber durch den Gesellschafter Landkreis Leipzig besser gestützt werden. Die Grundfinanzierung der WILL muss über den Landkreis gesichert werden.

 

Tourismuskonzept – Verbände zueinander führen

Wir brauchen eine vernetzte wirtschaftspolitische Arbeit. Deshalb trete ich für die Schaffung eines Wirtschaftsforums Südraum Leipzig ein. In diesem müssen wir ein integriertes Tourismuswirtschaftliches Konzept erarbeiten. Die erhebliche Differenziertheit in der Verbandsstruktur der Tourismusverbände zahlt sich nicht auf Dauer aus. Also müssen wir die Tourismusverbände zueinander führen und die Arbeit vereinfachen.

 

Benachteiligte Region braucht endlich Entschädigung für verfehlte Politik

Schaffung eines Technologie- und Gründerzentrums daraus finanzieren!

Mit dem industriellen Strukturwandel weg von der Braunkohle ist die Region Borna-Geithain schwer getroffen worden. Tausende von Arbeitsplätzen sind weggefallen. Eine wirtschafts- und strukturpolitische Kompensation hat die Region zu keiner Zeit erfahren. Teilweise sind Industrie- oder Gewerbeansiedlungen aufgrund von Verheißungen schneller infrastruktureller Verbesserungen erreicht worden. Diese Ansiedlungen sind wegen der massiv verschleppten Fertigstellung der A 72 wieder verloren gegangen oder drohen verloren zu gehen. Industrie und verarbeitendes Gewerbe brauchen eben eine gute Infrastruktur.

Besonders hart wird die Region der Wegzug von Edeka treffen. Denn noch einmal gehen 280 Arbeitsplätze für die Region verloren. Und wieder ist die verschleppte und fast zehn Jahre zu späte Fertigstellung der A 72 ein wichtiger Grund für diese Entscheidung gegen unsere Region gewesen. Es ist an der Zeit, die Region für die verfehlte Infrastrukturpolitik zu entschädigen. CDU-Landesregierung und CDU-Landesdirektion - vormals Regierungspräsidium - tragen die Verantwortung für das Trauerspiel der A-72-Fertigstellung. Und auch die nun in Aussicht gestellten rudimentären Lärmschutzmaßnahmen, die wegen fehlender finanzieller Mittel gerade mal den gesetzlichen Mindeststandards entsprechen sollen, gehen auf ihr Konto. Alles in allem sind dies keine guten Voraussetzungen für eine gedeihliche Entwicklung der Region.

Das Gebot der Stunde ist deshalb, die Region in die Lage zu versetzen, die Entwicklungschancen in die eigene Hand zu nehmen. Deshalb muss die Entschädigung, die von der Landesregierung für die Folgen dieser verfehlten Infrastrukturpolitik zu zahlen ist, in einen regionalen Entwicklungsfonds eingezahlt werden, über den die Kommunen der Region zum gemeinsamen Nutzen entscheiden sollen. Aus einem solchen Fonds sollte dann die Schaffung eines Technologie- und Gründerzentrums befördert werden. Ein solcher integrierter Ansatz bietet die besten Voraussetzungen, die Potenziale der Region zu nutzen, die Chancen von Neugründungen besser einzuschätzen, Neugründungen zu befördern und so dauerhafte Arbeitsplätze zu schaffen und zu sichern.

Ein solches Technologie- und Gründerzentrum kann Kompetenzen aus Unternehmen und Forschung so verbinden, dass junge und neugegründete Unternehmen Produkte entwickeln und zur Marktreife führen können. Eine solche Verbindung von Forschung und Entwicklung mit unternehmerischen Fähigkeiten kann ein weiterer Baustein für Unternehmensansiedlungen sein. Unsere Region braucht diese Unternehmensgründungen und die daran hängenden Arbeitsplätze, um die weitere Abwanderung vor allem junger Menschen zu verhindern.